Struktur statt Zufall

Um die Versorgung von Frauen mit Endometriose nachhaltig zu verbessern und die Versorgungslücke bei dieser häufig sehr spät diagnostizierten Erkrankung zu schließen, entwickelt ein interdisziplinäres Konsortium das innovative Versorgungsmodell „ENDO-EVE – Endometriose effektiv erkennen und koordiniert ganzheitlich therapieren“.

Endometriose ist eine der häufigsten chronischen gynäkologischen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter – und wird dennoch oft erst nach Jahren diagnostiziert. Für betroffene Frauen bedeutet dies einen langen Leidensweg, für gynäkologische Praxen einen hohen Beratungs- und Koordinationsaufwand. Heilbar ist Endometriose bisher nicht. Behandlungen zielen darauf, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu kontrollieren, Herde zu entfernen und die Lebensqualität zu verbessern, durch Schmerztherapie, Hormone oder Operation.


Lebensqualität verbessern

Wie sich die Lebensqualität Betroffener verbessern lässt, steht im Mittelpunkt des Innovationsfondsprojekts „ENDO-EVE – Endometriose effektiv erkennen und koordiniert ganzheitlich therapieren“. Das Vorhaben soll den Weg zur Diagnose verkürzen, der heute oft bis zu zehn Jahre dauert, und die Versorgung verbessern. Das Projekt wird von den Universitätskliniken Halle (Saale), Tübingen und Heidelberg gemeinsam mit der AOK Baden-Württemberg, der Kassenärztlichen Vereinigung und weiteren Partnern umgesetzt. Ab Mai 2026 können betroffene Frauen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt an der ENDO-EVE-Studie teilnehmen. Die Rekrutierung startete Anfang dieses Jahres über teilnehmende gynäkologische Praxen in beiden Bundesländern.


Strukturiertes Behandlungsprogramm

„Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Praxen und spezialisierten Endometriosezentren zu verbessern“, sagt Stephanie Wallwiener, Professorin und Projektleiterin am Universitätsklinikum Halle. Dafür entwickelt das Forschungsteam zwei zentrale Instrumente: ein strukturiertes Behandlungsprogramm, das Ärztinnen und Ärzten hilft, Verdachtsfälle systematisch zu erkennen, sowie eine digitale Begleitplattform für Patientinnen. Über diese App werden Symptome regelmäßig erfasst, Schulungen zur Schmerzbewältigung und zum Umgang mit der Erkrankung angeboten und bei Bedarf Rückmeldungen an das Behandlungsteam ausgelöst. „So können wir frühzeitig reagieren und vermeiden, dass Patientinnen erst in einer akuten Krise in die Klinik kommen“, erklärt Wallwiener die Zielsetzung.


Abrechnungsdaten von der AOK

Initiiert wurde ENDO-EVE von der AOK Baden-Württemberg. „Unsere Analysen zeigen, dass Frauen mit Endometriose deutlich höhere Gesundheitskosten haben als andere Versicherte. Sie haben zudem oft viele Arztkontakte und einen langen Leidensweg hinter sich, bis die Diagnose feststeht“, sagt Sarah Treffert, Versorgungsinnovatorin bei der AOK Baden-Württemberg. „Deshalb wollten wir eine Versorgungsform entwickeln, die schneller zur richtigen Behandlung führt und diese gleichzeitig besser koordiniert.“ Die AOK stellt für das Projekt ihre Abrechnungsdaten für die wissenschaftliche Auswertung bereit. Damit soll überprüft werden, ob das strukturierte Behandlungsprogramm und die digitale Begleitung zu weniger Fehlzuweisungen, geringeren Kosten und einer höheren Lebensqualität der Frauen führen.

Wenn sich das Modell bewährt, soll es nach Abschluss der Evaluation in die Regelversorgung überführt werden. Dann könnte ENDO-EVE als Beispiel dafür stehen, wie ein strukturierter Behandlungspfad und gezielte Vernetzung die Versorgung bei einer komplexen Erkrankung nachhaltig verbessern – mit Unterstützung einer digitalen Lösung.


Autor: Daniel Poeschkens, Abteilungsleiter Marketing/Kommunikation