Noch ist es digitale Zukunftsmusik

Die Europäische Union plant u.a., die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) und die Bescheinigung bei Beschäftigung in anderen Staaten der Europäischen Union, die „A1 – Bescheinigung“, in die European Digital Identity (EUDI) Wallet zu integrieren. Dadurch sollen sich die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung sowie sozialversicherungsrechtliche Angelegenheiten effizienter und nutzungsfreundlicher gestalten. Bis zur Umsetzung wird es allerdings noch eine Weile dauern. Auch Unternehmen werden nicht vergessen: Die European Business Wallet wird auf den Weg gebracht.
Die EHIC ist ein Versicherungsnachweis und ermöglicht die medizinische Versorgung im europäischen Ausland, während die Bescheinigung über die „Entsendung in andere Mitgliedsstaaten der EU (A1)“ als Nachweis des anwendbaren Sozialversicherungsrechts bei vorübergehender Erwerbstätigkeit im Ausland dient. Bei der EUDI-Wallet wiederum handelt es sich um eine digitale Geldbörse, welche die sichere Authentifizierung, Aufbewahrung und Nutzung verschiedener digitaler Dokumente und Nachweise ermöglichen soll. Sie ist Bestandteil der novellierten „Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt“ (eIDAS 2.0). Alle EU-Mitgliedsstaaten müssen ab Ende 2026 ihren Bürgerinnen und Bürgern eine digitale Brieftasche (EUDI-Wallet) anbieten, mit der sie sich ausweisen können. Insbesondere die zur Verfügung stehenden Bescheinigungen machen sie interessant für die Nutzerinnen und Nutzer. Deutschland ist dabei ein aktiver Treiber und hat mit der Bundesdruckerei und ihrer Tochter D-Trust starke Partner. Die EUDI-Wallet sowie alle darin gespeicherten Dokumente lassen sich dann per Smartphone nutzen und verwalten. Die Nutzung dieser digitalen Brieftasche ist freiwillig und kostenfrei.
QR-Code als Alternative
„Schon jetzt steht fest, dass neben der digitalen Version in der Wallet auch die bisherige physische EHIC - wahrscheinlich so, wie es bislang bereits der Fall ist, nämlich auf der Rückseite der eGK - und die A1-Bescheinigung erhalten bleiben werden“ erläutert Doreen Ehrlich, Produkt Suite Managerin Versicherung, Stammdaten und Telematik. Die Nachweise und Bescheinigungen sollen zukünftig einen QR-Code erhalten, der die maschinenlesbare Verifizierung und Verarbeitung der Informationen ermöglicht. Damit wird der barrierefreien Nutzung Rechnung getragen, dass niemand gezwungen werden darf, ausschließlich die digitale Brieftasche zu nutzen. Für den Verifizierenden bringt es auf der anderen Seite den Vorteil, die erforderlichen Daten digital auslesen und für die Folgeprozesse nutzen zu können.
Aus dem DC4EU-Projekt
Die Projektarbeit für die Anwendungsfälle PDA1 und EHIC sind abgeschlossen. Im Rahmen des Projektes wurde ein technischer Rahmen geschaffen, um digitale Dokumente einstellen, anzeigen, zu widerrufen und zu Prüfzwecken präsentieren zu können. Mehrere Mitgliedsstaaten beteiligten sich an der Pilotierung. Für Deutschland war die DRV-Bund der Pilot für das „Portables Dokument 1“ (PDA1). Auf nationaler Ebene sind weitere Projekte gestartet, um die Digitalisierung dieser und zukünftiger Anwendungsfälle umzusetzen. Aufgabe der AOK Systems bei der Bereitstellung der Daten für die EHIC und die A1-Bescheinigung in der EUDI wird es sein, eine Software zu entwickeln, mit der die Krankenkassen die erforderlichen Daten ihrer Versicherten an das Trustcenter melden können. „Gesetzlich Krankenversicherte erhalten grundsätzlich eine EHIC und können somit Leistungen in einem EU-Mitgliedsstaat sowie Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz in Anspruch nehmen“, so Doreen Ehrlich. Bis jetzt ist es nicht erforderlich, einen Antrag auf Erhalt der EHIC zu stellen. Diese wird automatisch mit Erhalt der eGK auf der Rückseite mitgeliefert. Die EUDI-Wallet wird für die EHIC in einer weiteren Ausbaustufe spannende Funktionen beinhalten, wie zum Beispiel die Delegationsfunktion: Stellen Sie sich vor, die Großeltern verreisen mit ihren Enkelkindern in den Urlaub nach Frankreich. Selbst wenn die eGK vergessen wurde mitzugeben – digital kann die EHIC der Enkelkinder an die Großeltern übertragen werden. Das ist analog schon ein sehr großer Aufwand. „Derzeit laufen auf nationaler Ebene noch Gespräche, um die Klärung wichtiger Fragen zu den Anwendungsfällen herbeizuführen“, erklärt Doreen Ehrlich.
Für die Inproduktivnahme der digitalen EHIC und der A1-Bescheinigung zeichnet sich das Jahr 2030 ab: „Der Zeitplan kann sich aber noch ändern.“ Bei der A1-Bescheinigung bleibt es auch weiterhin beim bisherigen Antrags- und Bescheinigungsverfahren. Diese gilt nur für bestimmte Personenkreise, die aufgrund geltender Rechtsvorschriften und Verordnungen ins Ausland entsendet sind. Die digitale Brieftasche kommt als weiteres Angebot zur Nutzung der Bescheinigung hinzu.
Der Europäischer Sozialversicherungsausweis (ESSPASS) ergänzt EESSI
Der ESSPASS (European Social Security Pass) wird die digitale Mobilität in der Europäischen Union in den kommen Jahren deutlich vereinfachen. Bisher können Sozialversicherungsdaten in Europa zwischen den Sozialversicherungsträgern nur über EESSI (Europäischer Austausch von Sozialversicherungsinformationen) ausgetauscht werden. Zum Start des ESSPASS sollen die Nachweise und Bescheinigungen für die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC), die Entsendebescheinigung A1 und die Beantragung einer Zusammenfassung für Rentenbescheinigungen PDP 1 Inhalt sein. Das Pilotprojekt wurde bereits abgeschlossen. Auch hier wird die Wallet eine entscheidende Rolle spielen, damit die Bürger auf den ESSPASS zugreifen können.
European Business Wallet
Die EU-Kommission hatte im November 2025 ihre Pläne für die European Business Wallet vorgestellt. Nun kommt auch die digitale Brieftasche für Unternehmen. Die Nutzung ist freiwillig, soll aber Standard werden. Damit erhalten Unternehmen die Möglichkeit, grenzüberschreitend in der Europäischen Union, sich gegenüber anderen Behörden zu authentifizieren, kommunizieren und Dokumente digital auszutauschen.
Die Digitalisierung geht somit in großen Schritten auf europäischer und nationaler Ebene voran.
