Über neue Produkte nachdenken

Projekte und Produkte

Mercedes-Benz macht es. IBM auch. Und Airbnb wäre ohne den neuen Ansatz überhaupt nicht denkbar. „Design Thinking“ revolutioniert weltweit die Produktentwicklung. Die AOK Systems hat mit der Innovationsmethode in diesem Jahr bereits drei neue Produkte entworfen. Inzwischen haben weitere Ideen ihre Entwicklungsreise angetreten.

Erfolg braucht ein Rezept
Innerhalb von knapp sieben Jahren ist Airbnb von einer Idee zu einem Unternehmen mit 25 Milliarden Euro Börsenwert geworden. Die Nutzer lieben die Onlineplattform zur weltweiten Zimmervermittlung. Das Erfolgsrezept – wie bei so vielen Unternehmen aus dem Silicon Valley: Der Nutzen für die Kunden steht konsequent im Fokus der Produktentwicklung. Und „Design Thinking“ ist die Methode, um die Bedürfnisse der Nutzer zu ergründen und passgenau zu bedienen. Kein Wunder, dass die kreative Denkmethode nicht weit von Silicon Valley erfunden wurde – an einem Ort, der seit Jahrzehnten unser Denken revolutioniert: die Universität von Stanford. Im dortigen „Hasso Plattner Institute of Design“ wird die Methode seit 2007 gelehrt und weiterentwickelt. „Design Thinking“ ist ganz einfach gesagt eine Methode, um Probleme zu lösen und neue Ideen zu entwickeln. Und das geht besser, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammen in einem Umfeld arbeiten, das die Kreativität fördert. Genau das ist das Erfolgsrezept von Google, Apple, Netflix und Co.

Auf der Suche nach Ideen
Das GKV-Marktumfeld für oscare® ist herausfordernd: Viele Gesetzesveränderungen, hohe rechtliche Hürden und ein Markt, der beständig in Bewegung ist, erschweren und verlängern die Softwareentwicklung für Kunden. „Aufgrund dessen sind wir häufig damit beschäftigt, die Anforderungen in unserer Software umzusetzen. Und unsere Kunden haben oft keine konkrete Vorstellung davon, welche neuen Anwendungen ihren Arbeitsalltag leichter machen könnten und welche IT-Produkte ihnen einen Vorteil im Wettbewerb verschaffen könnten“, erklärt Daniela Gehring, Leiterin Personal und Organisationsentwicklung bei der AOK Systems. „Um das zu ändern, haben wir im vergangenen Jahr das InnoLab gegründet. Hier sollen innovative Produkte in Eigeninitiative mithilfe von "Design Thinking" entwickelt und schnell umgesetzt werden.“ Im August 2015 hat die Ideenwerkstatt ihre Produktion aufgenommen. Und noch vor Ende dieses Jahres sind aus den ersten drei Ideen fertige Produkte geworden.

Freiräume können inspirieren
Sieben Beschäftigte der AOK Systems unter Leitung von Daniela Gehring und Jens Brünink bilden das InnoLab. Einer davon ist Carsten von Schwichow, Entwickler aus dem Kompetenzpool 4. Er war Ideen-Pate von „oscare® BP VISUAL“, das jetzt als „oscare® BP 360“ einsatzbereit ist. Auch in der zweiten Runde wird er wieder im InnoLab mitarbeiten. „Die kreative Arbeit ist sehr inspirierend. Und eine Idee auf seiner ganzen Reise bis zum fertigen Produkt zu begleiten, ist außerdem eine sehr befriedigende Aufgabe.“ Der kontinuierliche Entwicklungsprozess ist neben der Teamarbeit ein Kernelement des „Design Thinking“. Ein weiteres sind Freiräume: etwa Zeit, sich eine Idee auszudenken, darüber nachzudenken, auch querzudenken und im Zweifel wieder ganz neu zu denken. Freiräume sind aber auch ganz wörtlich gemeint. Derzeit erhält das InnoLab eigene Räumlichkeiten, die sich vom alltäglichen Arbeitsplatz unterscheiden. Freiräume bedeuten auch, raus zu gehen, neue Impulse zu bekommen, sich im positiven Sinn ablenken zu lassen. „Letztes Jahr haben wir eine Innovation Journey in Berlin unternommen und haben den Inkubator von Axel Springer besucht. Außerdem haben wir das „Fab Lab“ des bekannten Medizintechnikunternehmens Otto Bock besucht. Dort kann jeder Interessierte Prototypen nach eigenen Vorstellungen entwickeln“, erzählt Schwichow.

Freiräume und Teamwork fördern Nach- und Querdenken

Fehler muss man machen
Freiräume sind wichtig, bestimmte Verfahren im Design-Thinking-Prozess einzuhalten sind es auch. Prototypen spielen dabei eine wichtige Rolle. Damit kann man eine Idee einem ersten Praxistest unterziehen – und auch scheitern. Denn frühes Scheitern – oder besser gesagt Fehler zu machen – spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. „In der Produktentwicklung gibt es immer Fehler. Sie sind nicht zu vermeiden, man kann sie aber frühestmöglich entdecken“, sagt Schwichow. Hier kommt ein weiteres Element ins Spiel: der nutzerzentrierte Ansatz des „Design Thinking“. Gemeint ist, die späteren Nutzer früher als üblich in die Entwicklung einzubeziehen. „Dazu sind wir bereits in dieser Phase – und das war neu – einfach mal zu den zukünftigen Nutzern bei der AOK Baden-Württemberg und der AOK Bayern gefahren und haben ihnen intensiv über die Schulter geschaut. Wir wollten genau wissen, was sie den ganzen Tag eigentlich machen: Welche Felder in oscare® klicken sie? Welche Fenster sind geöffnet? Welche Anwendungen kommen zum Einsatz? Die Erfahrungen haben wir in den Prototypen einfließen lassen“, erklärt der Design-Thinking-Experte.

Die Kunden wollen Innovationen
Im August 2015 konnten alle Mitarbeiter der AOK Systems Ideen einreichen, drei davon haben es schließlich in das InnoLab geschafft. Dort wurden drei Prototypen entwickelt. Am 17. März fand in Köln dann der erste Innovationstag statt. Vertreter der Kunden hatten die Möglichkeit, in Dreierteams die Prototypen – oscare® BP VISUAL, oscare® SIDEKICK und oscare® COCKPIT – intensiv zu testen. Begleitet wurden sie dabei von je zwei InnoLab-Mitgliedern, die ganz gezielt Feedback einholten. Dieses wurde nach der Veranstaltung ausgewertet und in die Prototypen eingearbeitet. Bereits drei Monate später wurden in der Testwerkstatt die überarbeiteten Prototypen den Nutzern vorgestellt. Und Ende November, kaum ein Jahr nach der Auswahl der Ideen, stehen die fertigen Produkte zur Verfügung. Und wie finden die Kunden diese neue Arbeitsweise? „Das kommt sehr gut an. Unsere Kunden sind von unserer proaktiven Vorgehensweise überzeugt. Dass wir selbst ein neues Produkt, das genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, entwickeln, findet viel Anklang. Das belegt auch das Interesse an oscare® BP 360“, sagt Daniela Gehring. Im März 2017 findet bereits der zweite Innovationstag statt, auf dem wieder neue Produktideen vorgestellt werden. Gleichzeitig werden in der AOK Systems weitere Mitarbeiter zu Design Thinkern ausgebildet. „Damit gewährleisten und stärken wir unsere Innovationskraft. Davon profitieren natürlich unsere Kunden maßgeblich“, so Gehring.

Drei Prototypen wurden im März 2016 erstmalig vorgestellt